EINE WEGBEREITERIN DER TEXTILKUNST
Johanna Schütz-Wolff (1896–1965) war eine Pionierin der modernen Textilkunst. Mit ihren monumentalen Bildteppichen entwickelte sie in den 1920er- und 1930er-Jahren eine eigenständige Bildsprache zwischen Expressionismus und Abstraktion. Linie, Fläche, Farbe und Material verband sie zu ausdrucksstarken Kompositionen, die das traditionelle Verständnis der Weberei grundlegend erweiterten. Die Begleitpublikation zur ersten umfassenden Retrospektive erschließt Schütz-Wolffs vielseitiges Œuvre aus Bildteppichen, Druckgrafik, Arbeiten auf Papier und architekturbezogenen Werken und würdigt ihre Bedeutung für die Kunst der Moderne.
- Johanna Schütz-Wolff und die Textilkunst der Moderne
- umfassende Retrospektive zu ihrem vielfältigen Werk
- Textilkunst zwischen Expressionismus und Abstraktion
- ein neuer Blick auf das Verhältnis von Kunst und Handwerk in der Moderne
- Katalog zur Ausstellung im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), 27.11.2026–21.02.2027, mit einer weiteren Station im Franz Marc Museum, Kochel am See, 14.3.–26.6.2027
VOM KUNSTHANDWERK ZUR AUTONOMEN BILDKUNST
Johanna Schütz-Wolffs war eng mit den Reformbewegungen der frühen Moderne verbunden. Nach ihrer Ausbildung in Halle bei Paul Thiersch und an der Münchner Kunstgewerbeschule übernahm sie 1920 den Aufbau und die Leitung der Textilwerkstatt an der Burg Giebichenstein. Dort entwickelte sie die Weberei zu einem eigenständigen künstlerischen Ausdrucksmedium. Ihre monumentalen, expressionistisch geprägten Bildteppiche verbinden kraftvolle Figuration, intensive Farbigkeit und einen eigenständigen Umgang mit dem Material. Oft entstanden ihre Kompositionen unmittelbar am Webstuhl, ohne vorgefertigten Entwurf. Im Zentrum steht der Mensch: allein, als Paar, als Mutter und Kind oder im Verhältnis zu Tier und Natur. Auf elementare Formen reduziert, gewinnen ihre Figuren eine eindringliche Präsenz und verhandeln universelle Themen wie Nähe, Verletzlichkeit und Gemeinschaft. Auch nach ihrem Weggang aus Halle 1925 fand Schütz-Wolff internationale Anerkennung. Die nationalsozialistische Kulturpolitik setzte ihrer künstlerischen Laufbahn jedoch eine Zäsur; 1937 wurde eines ihrer Werke als „entartet“ beschlagnahmt. Nach 1945 fand ihr Schaffen erneut internationale Beachtung, während sie zugleich in Holzschnitten und Monotypien ihre Auseinandersetzung mit Linie, Fläche und bildnerischer Verdichtung vertiefte.
EINE EIGENSTÄNDIGE POSITION JENSEITS DES BAUHAUS
Der Katalog zur großen Retrospektive im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) vereint erstmals die unterschiedlichen Facetten ihres Schaffens und zeichnet die Entwicklung ihrer unverwechselbaren Bildsprache nach. Er beleuchtet Schütz-Wolffs Bedeutung für die Hallesche Moderne, ihre künstlerische Position zwischen Expressionismus und Abstraktion sowie die Wechselwirkungen zwischen textilen und grafischen Techniken. Zugleich eröffnet er neue Perspektiven auf die Bedeutung der Textilkunst und die Rolle von Künstlerinnen in der Moderne. Damit rückt die Publikation eine lange unterschätzte Position der Kunst des 20. Jahrhunderts ins Blickfeld.











