Im September 2020 ging eine besondere Website online: Die Online-Buchhandlung VINCENT&VOLTAIRE. Sie füllt ihre Büchertische mit inhaltlich und visuell hochwertigen Büchern und Bildbänden für Erwachsene und Kinder zu Themen wie Kunst, Architektur, Fotografie, Mode und Lifestyle, aber auch Abenteuer und Natur. VINCENT&VOLTAIRE präsentieren ihre Bücher in voller Schönheit, mit vielen Abbildungen und mit Liebe zum Detail. Ein spannendes, innovatives Konzept, weswegen Anika Matzke der Gründerin Inga Moldenhauer ein paar Fragen gestellt hat. 

Frau Moldenhauer, vor Kurzem haben Sie die Buchhandlung VINCENT&VOLTAIRE gegründet. Erst einmal gratuliere ich Ihnen herzlich dazu und wünsche Ihnen alles Gute! Möchten Sie sich kurz vorstellen?

Vielen Dank für Ihre Glückwünsche, liebe Frau Matzke. Ich bin Inga Moldenhauer, ich bin 31 Jahre alt und Mutter von zwei Söhnen im besten Vorlesealter. Ich habe Ende letzten Jahres mit einem Freund VINCENT&VOLTAIRE gegründet.

Wir, VINCENT&VOLTAIRE, sind eine Online-Buchhandlung, die besonderen Wert auf die Auswahl und Darstellung der Bücher legt. Wir wählen die schönsten Bücher und Bildbände zu einem Thema aus und stellen diese auf „Buchtischen“, wie man sie aus der Buchhandlung um die Ecke kennt, dar. Wir möchten passionierten Lesern und Buchliebhabern einen visuell schönen und inhaltlich umfassenden Überblick zu einem Thema ermöglichen. Für die Präsentation unserer Bücher fertigen wir in unserer kleinen „Content-Werkstatt“, zu der ein Fotostudio gehört, selber Informationsmaterial in Text- und Bildform an.

Wie entstand die Idee, eine Buchhandlung zu gründen, die nicht als Ladengeschäft, sondern ausschließlich online besteht?

Unsere Wurzeln liegen im eCommerce und unser Herz hängt an Büchern. Der eCommerce war es, der uns zusammengebracht hat. Kennengelernt haben wir uns als Produktmanager bei einem Online-Marktplatz. Mit der Zeit haben wir festgestellt, dass wir beide Bücher lieben. Wir haben uns immer häufiger über unseren aktuellen Lesestoff und unsere Lieblingsbücher ausgetauscht. Nach und nach kam der Gedanke, diese Leseleidenschaft mit einem eigenen beruflichen Projekt zu verbinden. Dass wir die Bücher online verkaufen, lag für uns auf der Hand: Wir haben schon immer gerne Bücher gekauft, auch schon immer gerne online. Dabei haben wir uns geärgert, dass alle Online-Buchshops gleich aussehen und lieblos das gleiche Sortiment anbieten. Wir haben uns gefragt, ob und wie es möglich ist, Bücher, die eine besonders schöne Optik und Haptik haben, online erlebbar zu machen. Daher haben wir uns dazu entschlossen, unsere Bücher, die wir sorgfältig aussuchen, mit großformatigen Bildern abzubilden, auf denen wir Details wie die Bindung eines Buch, die Qualität des Drucks und des Papiers sowie Fotografien, Illustrationen und Abbildungen einfangen und darstellen.

Woher kommt der Name VINCENT&VOLTAIRE?

Bei der Wahl unseres Namens haben wir uns an unseren Vorbildern orientiert:

VINCENT steht natürlich für Vincent van Gogh, dem Künstlertyp par excellence, dem Schöngeist, dem seine Leidenschaft für die Malerei einfach alles bedeutet hat. Ähnlich geht es uns mit Büchern. Vincent van Gogh verfolgte seine künstlerischen Ziele mit großer Leidenschaft. Er verkörpert für uns die Verbindung von Kunst und Leben, stellt die emotionale Komponente in uns dar.

VOLTAIRE, der Rationale, der große Philosoph der Aufklärung, ist für uns aufgrund seines Scharfsinns und seiner Haltung zur Welt ein Vorbild: Neben Kunst und Schöngeist-Themen interessieren wir uns auch für den Zeitgeist, für Hintergründe, für die Herleitung der Themen. In unserer Buchhandlung finden sich bereits Buchtische zu Themen wie “Umweltschutz” oder “Legendäre Frauen & starke Mädchen”. Hiermit haben wir erst den Grundstein unseres Gesellschaft & Politik-Themenbereichs gelegt. Für die Zukunft haben wir weitere spannende Themen in Planung.

Vincent van Gogh und Voltaire spiegeln also die Inhalte, die uns wichtig sind, und die Art und Weise, wie wir unser Unternehmen führen möchten, wider. Der Klang der Alliteration VINCENT&VOLTAIRE gefiel uns auch sofort sehr gut.

In Ihrem Sortiment legen Sie den Fokus auf „das schöne Buch“: Unter anderem Bücher zur Kunst, Fotografie, Architektur, Mode und Natur. Auch besondere Kinderbücher finden Leser*innen bei Ihnen. Wieso entschieden Sie sich für diese Bereiche?

Die Buchgenre haben wir zunächst schlicht und ergreifend nach unseren persönlichen Vorlieben ausgewählt: Am Anfang steht bei uns immer das Interesse an einem Thema. Es folgt eine Recherchephase und Auseinandersetzung mit dem ausgewählten Sujet: Welche Blickwinkel gibt es zu diesem Thema? Welche schönen und spannenden Bücher sind dazu erschienen? Schließlich sprechen wir mit den Verlagen über die entsprechenden Bücher und starten die thematische Aufbereitung der Inhalte und die Arbeit mit den Büchern in unserer „Content-Werkstatt“.

Ein Büchertisch bei VINCENT&VOLTAIRE

Eine Frage aus dem Nähkästchen: Welche besonderen Herausforderungen und Überraschungen haben Sie bei der Gründung erlebt?

Sehr angenehm überrascht sind wir von der  Begeisterung und der unterstützenden, ermutigenden und positiven Resonanz, die uns von den Verlagen und der Buchbranche entgegengebracht werden.

Zu Beginn hatten wir den Traum, die Verpackung und den Versand der Bücher selber zu gestalten. Leider mussten wir feststellen, dass es dazu keine passenden Dienstleister für kleine Buchhandlungen gibt und ein eigenes Lager im ersten Schritt für uns finanziell nicht machbar ist. Ein großer Wunsch ist es, diese Pläne in Zukunft verwirklichen zu können.

Herausfordernd und sehr spannend war und ist außerdem die Realisierung unseres Konzepts. Es macht Spaß, die Gestaltung der Produkt- und Buchtischseiten auszuarbeiten, Prozesse und Lösungen stets neu zu durchdenken. Es hat ein bisschen gedauert, bis uns die Darstellung der Bücher zufriedengestellt hat. Jeder von uns hat schon jetzt so viel dazugelernt.

Wer steckt noch hinter VINCENT&VOLTAIRE? Wie groß ist ihr Team?

Unser Team besteht aus vier Buchliebhabern. Neben uns zwei Gründern haben wir noch ein zweiköpfiges Content-Team, eine Texterin und einen Fotografen, der sich mittlerweile zu einem Shopmanager entwickelt hat. Abgesehen von unserem Content-Team, das für und von der Arbeit mit den Büchern lebt, arbeiten wir ortsunabhängig und koordinieren uns nach bester “digital nomads”-Manier im Arbeitsalltag über digitale Kommunikation und Tools. Was für viele Arbeitnehmer in der aktuellen Situation (Corona) eine Ausnahme ist, ist für uns also schon immer die Regel. Der Verzicht auf ein Büro hat zusätzlich den positiven Effekt, dass wir die Kostenstruktur gering halten können. Natürlich treffen wir uns ein Mal pro Woche persönlich, meist in Cafés, unseren Wohnungen oder unserem Foto-Studio.

Wenn Sie zwei Blicke in die Glaskugel werfen könnten: Was wünschen Sie sich für VINCENT&VOLTAIRE? Und was wünschen Sie sich von der Buchbranche und speziell den Verlagen?

Wir wünschen uns natürlich viele Kunden, wir wissen aber, dass es vermutlich etwas dauern wird, bis wir eine gewisse Bekanntheit erlangt haben.

An die Verlage habe wir keine speziellen Wünsche, wir freuen uns sehr über die tolle Unterstützung und Zusammenarbeit! Wir haben auch den Eindruck, dass unser Konzept in der Buchbranche sehr gut ankommt.

Ein bisschen wundern wir uns hier und da über eine “Anti-Internet Haltung”. Wir beobachten, dass das Internet schnell als Sündenbock für etwaige Erosionen in der Buchbranche verantwortlich gemacht wird. Nach unseren Beobachtungen sind es – wie in vielen Wirtschafts- und Lebensbereichen – “die Großen”, die sich “die Kleinen” einverleiben. Für uns ist das Medium Internet aus dem Leben der Menschen nicht weg zu denken und es ermöglicht eben auch eine tolle Präsentation des Produktes Buch.

Hier geht es zur Online-Buchhandlung VINCENT&VOLTAIRE.

Detailansicht unserer Graphic Novel „Vincent“