Das Buch „Mit dem Bauhaus um die Welt“, geschrieben von Ingolf Kern und illustriert von Zsuzsanna Ilijin, vollendet die fünfteilige Kinderbuchreihe über das Bauhaus. Die kunterbunten Illustrationen von Zsuzsanna Ilijin feiern die Weltläufigkeit der Bauhäusler und vermitteln Kindern spielerisch deren Einflüsse auf das weltweite Design. Zum Abschluss unserer Zusammenarbeit haben wir die Illustratorin in ihrem Berliner Büro besucht.

Möchtest du dich kurz vorstellen?

Mein Name ist Zsuzsanna Ilijin, ich bin Illustratorin und lebe in Berlin. Ich habe in Stuttgart an der Kunstakademie Kommunikationsdesign studiert und machte mein Diplom über Weltkarten. Während meines Studiums fokussierte ich mich nicht ‚nur‘ auf Illustration, sondern auf Grafikdesign. Nach dem Studium machte ich mehrere Praktika in Amsterdam und verliebte mich in die kreative, inspirierende und mutige Stadt. Danach zog es mich nach China, dort unterrichtete ich an einer internationalen Design-Hochschule. Das war eine sehr spannende Erfahrung – Ästhetik und Farbassoziationen sind extrem verschieden. Schließlich ging es für mich wieder nach Deutschland und schnell landete ich in Berlin. Hier arbeite ich als selbstständige Illustratorin.

Wann hast du das erste Mal den Stift gezückt und was war deine erste Illustration?

Ich habe, so wie alle Kinder, immer gern gezeichnet, gebastelt und gemalt. Ich habe einfach nicht damit aufgehört. Daher kann ich nicht sagen, wann ich genau angefangen habe. Ich weiß nur, dass ich schon mit zwölf Jahren unbedingt einen kreativen Beruf ausüben wollte. Damals malte ich immer Modeillustrationen aus der Vogue ab. Meine erste richtige Illustration war dann ein ‚Wimmelbild‘ für ein holländisches Kindermagazin.

Beschreibe deinen Stil in drei Worten!

Grafisch, knallend und farbig.

Auf welche Themenbereiche hast du dich in deinen Illustrationen spezialisiert?

Ich mache total unterschiedliche Sachen – das geht von Apps für Start-Ups bis Editorials für Magazine. Dementsprechend arbeite ich in den verschiedensten Themenbereichen. Ich mache viele Welt- und Stadtkarten, thematisiere aber auch Wirtschaft, Politik, Kochen, Sport und, und, und. ‚Mit dem Bauhaus um die Welt‘ war mein erstes Kinderbuch.

Wie entstehen die Ideen für deine Arbeit? Und wie behältst du sie? Hast du immer Stift und Block dabei?

Manchmal fallen mir Ideen beim Joggen oder unter der Dusche ein, die merke ich mir bis ich zum Schreibtisch komme. Für den Notfall habe ich aber auch immer ein Skizzenbuch dabei. Die Idee zur Karte von Mies van der Rohe kam mir beim Joggen. Ich überlegte lange, wie ich das im Text besprochene Hochhaus so gestalte, dass ich nicht das klassische Bild von zwei Kindern zeichne, welche vor dem Gebäude stehen und hochblicken. Doch dann kam mir die Idee: ‚Mensch, mach das doch einfach wie beim bewährten Online-Kartendienstleister: von oben!‘ Mit Hilfe der Karten konstruierte ich die Szene aus der Vogelperspektive und konnte konzeptionell meinen eigenen Strich einarbeiten.

Wie sah dein Arbeitsprozess für „Mit dem Bauhaus um die Welt“ aus?

Der Text stand bereits und auf dieser Grundlage starte ich meine Arbeit: Zuerst habe ich die Figuren händisch entworfen. Im Laufe der Arbeit haben sich die Figuren noch stark verändert und sind viel detailreicher geworden. Mit diesen Entwürfen konzipierte ich nach und nach jede Seite. Wesentlich für meine Arbeit war eine wirklich lange und intensive Recherchephase.

Welche Besonderheiten gibt es bei der Gestaltung eines Kinderbuches?

Die Zielgruppe. Im Fokus stand für mich, dass ich das Thema so verständlich, spaßig und interessant wie möglich für die Zielgruppe aufbereite. Eine große Hilfe war hierbei meine sehr kritische, fünfjährige Tochter.

Hast du bei der Entstehung des Buches Überraschungen erlebt?

Für mich persönlich war es sehr interessant und spannend in die Bauhaus-Welt einzutauchen. Meine größte Entdeckung war die Vielzahl von Künstlerinnen in dem Buch. Eine Herausforderung war für mich immer etwas Eignes daraus zu machen, sich nicht zu sehr inspirieren zu lassen, sondern den eigenen Strich und die eigene Handschrift im Thema zu finden. Bei Anni Albers habe ich mich zum Beispiel von ihren Teppichen inspirieren lassen und habe selber einen Teppich entworfen, in welchem die Kinder herumlaufen. Die berüchtigten bunten Webmuster habe ich in das Buch mehrmals einfließen lassen unter anderen auf Anni Albers Reise nach Mexiko.

Interview und Fotografie: Maxi Josephine Rauch.

Bildnachweis: Alle Illustrationen stammen von Zsuzsanna Ilijin aus dem Buch „Mit dem Bauhaus um die Welt“.