Karin Eklund mit dem Kinderbuch über Hilma af Klint (Foto von Ylva Connell)

Endlich ist unser Kinderbuch über die Pionierin der abstrakten Kunst erschienen: „Die unsichtbare Welt von Hilma af Klint“, geschrieben von Ylva Hillström, illustriert von Karin Eklund, aus dem Schwedischen übersetzt von Angelika Kutsch. Hilma af Klint (geboren 1862, gestorben 1944) war die erste Künstlerin, die abstrakt malte; noch vor Wassily Kandinsky, der lange als „Erfinder“ der abstrakten Malerei der Moderne galt. Das Kinderbuch lässt uns in die Biografie und Gedankenwelt der faszinierenden Künstlerin eintauchen und erzählt, wie Geister und Magie auf die Leinwand kamen. Die Illustratorin Karin Eklund hat Hilma af Klints Geschichte, ihren Geist und ihre besondere Kunst visuell in Buchform gegossen. Was sollen wir sagen – das ganze Verlagsteam ist verliebt in ihre Arbeit, in dieses Buch. Daher haben wir Karin Eklund ein paar Fragen gestellt.

Möchtest Du dich kurz vorstellen?

Hi, ich bin eine Illustratorin aus Schweden und lebe in Cambridge, Großbritannien. Ich habe immer ein Skizzenbuch dabei, um alles zeichnen zu können, was ich um mich herum sehe oder höre: Dinge, die ich mit meiner Familie tue, Geschichten, die ich lese, Filme und Fernsehserien – all das inspiriert meine Zeichnungen.
Eigentlich komme ich aus der Kunstgeschichte und habe früher in Galerien und Museen gearbeitet. Mit 33 Jahren entschied ich mich dann aber, den Master „Kinderbuchillustration“ an der Anglia Ruskin University in Cambridge zu machen. Das Studium eröffnete mir eine neue Welt, in der mein visuelles Storytelling seine eigene Stimme finden konnte.

Wie würdest Du deinen Stil beschreiben (in drei Worten)?

Lustig, gefühlvoll und skurril.

Karin Eklund an ihrem Arbeitsplatz in Cambridge

Karin Eklund an ihrem Arbeitsplatz in Cambridge

Auf welche Themenbereiche hast Du dich bei deinen Illustrationen spezialisiert?

Ich arbeite hauptsächlich an Publikationen für Kinder, das können Bücher, Apps oder auch musikalisch-inspirierte Lernmaterialien sein. Zuletzt habe ich „Kids Yoga“ herausgebracht, eine kreative und lustige Einführung in Yoga für Kinder und Familien. Ich arbeite auch mit Autor:innen und anderen Kreativschaffenden zusammen und illustriere ihre Arbeiten. Zum Beispiel „My first Orchestra Book“ von Genevieve Helsby. Das ist ein Buch mit zugehöriger App für Tablet/iPad und Musikmaterial. Ich werde auch oft gebeten, Figuren für Museen, Festivals oder Kindertheater zu entwickeln.

Wie war die Arbeit am Buch „Hilma af Klint“ für dich?

Ich habe mich sehr gefreut, als sich Ylva Hillström bei mir mit dem Konzept für ein Buch über Hilma af Klint gemeldet hat. Ich hatte Hilmas Werk das erste Mal 1999 in Stockholm gesehen. Damals habe ich Kunstgeschichte in Uppsala studiert und ihre Bilder hauten mich einfach um. Ich war wie elektrisiert, als ich das Museum betrat und ihre bunten, großformatigen Gemälde sah. Das ist mir sehr in Erinnerung geblieben. Ein paar Jahre später wurde ich gebeten, einen Vortrag zu Hilmas Arbeit am Camden Art Centre in London zu halten, wo 2006  ihr Werk ausgestellt wurde. Als man dann auf mich zukam und fragte, ob ich die Illustrationen zu Ylva Hillströms Text machen könne, kam mir das vor wie vorherbestimmt. Ich konnte mich sehr gut in Ylvas Arbeit einfühlen und war fasziniert davon, wie sie Hilmas Lebensgeschichte präsentiert.

Ich bin sehr glücklich mit der Zusammenarbeit mit Ylva Hillström. Als ich ihre Texte las, sah ich sofort die Bilder vor meinen Augen. Da war es wichtig, schnell einige Skizzen meiner ersten Ideen zu machen, da diese oft die besten sind. Ich lasse mich dann ganz von meiner Fantasie leiten und versuche, nichts zu analysieren oder zu bewerten.

Entwürfe zum Buch "Die unsichtbare Welt von Hilma af Klint"

Entwürfe zum Buch „Die unsichtbare Welt von Hilma af Klint“

Wenn man an der Biografie eines Künstlers oder einer Künstlerin arbeitet, muss man auch etwas von seinem Werk zeigen – das ist Dir auch wunderbar gelungen. Aber wie war es für dich, deinen persönlichen Illustrationsstil mit dem von Hilmas Werken zu verbinden? Gab es dabei irgendwelche Herausforderungen?

Ja! Das war das erste Mal, dass ich mich in dieser Weise mit einer Biografie auseinandergesetzt habe und ich habe lange gebraucht, um zu entscheiden, wie ich Ihre Bilder darstellen will. Zuerst habe ich es mit Gouache- und Acrylfarben probiert, aber irgendwie sahen meine Ergebnisse damit den echten Gemälden zu ähnlich und es war nicht mehr klar, dass sie an der Stelle noch Teil der Illustration waren. Deshalb entschied ich mich für eine Technik, die ihre mehr kontrastiert. Ich hoffe, dass die Verwendung von Buntstiften den Leser:innen deutlich macht, dass es sich bei den Illustrationen um meine Interpretation ihrer Arbeit handelt und ich nicht versuche, ihre Arbeiten zu imitieren. Ich denke, das Ergebnis ist gut gelungen, zumal das Buch auch viele hervorragende Reproduktionen von Hilmas Werken enthält, an denen sich die Leser:innen erfreuen können.

Hat sich dein Blick auf Hilma während der Arbeit an dem Buch verändert? Wenn ja, inwiefern?

Es war toll, mehr über Hilmas Kindheit und Familie zu erfahren und über den ziemlich abrupten Wechsel von traditioneller Porträt- und Landschaftsmalerei zu großen abstrakten Bildern. Ihre Beharrlichkeit und ihr Mut, auch wenn diese zunächst keine Anerkennung fanden, sind inspirierend für mich. Ihren eigenen Überzeugungen zu folgen, unabhängig davon, was andere Menschen um sie herum zu ihr sagten, zeigt ihre Stärke und ihren besonderen Charakter.

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English version of the interview with Karin Eklund